Kubb-WM 2026: Rückblick auf Gotland – und Vorschläge für ein noch stärkeres Turnier

Das Gatter im Überblick

Weltmeister 2026: Stranded Goose (Schweden) um Josef Björklund

Halbfinale
Stranded Goose 2
No Regrets 0
Halbfinale
Team Kubbmeisters 2
Team M-V 1
Finale
Stranded Goose 2
Team Kubbmeisters 0
Spiel um Platz 3
Team M-V 2
No Regrets 1

Der Austausch nach unserer Vorschau auf die Kubb WM hat gezeigt, wie intensiv sich die Community mit der Struktur der Weltmeisterschaft auf der Insel Gotland auseinandersetzt. In diesem Kubb WM 2026 Rückblick wollen wir genau deshalb beides tun: auf ein Turnier mit einem neuen Weltmeister und einer deutschen Medaille zurückschauen – und aus Spielersicht ein paar Impulse geben, an welchen Stellschrauben das Event noch stärker werden kann. Es geht uns nicht darum, Forderungen zu stellen. Und es geht um etwas ganz Einfaches: mehr gespielten Kubb. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie die Rechnung aussehen kann – mehrere Jahre bin ich ohne großen Erfolg nach Schweden gefahren, und unterm Strich standen zwei Spiele auf Augenhöhe, davon eines verloren. Für diese Reise ist das zu wenig. Das gemeinsame Ziel sollte sein, die sportliche Dichte zu erhöhen und Anreize zu schaffen, damit künftig wieder mehr Teams aus aller Welt antreten.

Der Weg der deutschen Teams

Nach ausführlichen Gesprächen mit Robert von Team M-V (Kubb’Ings & De Woody’s) und Sven von den Rasensportfetischisten ergibt sich ein klares Bild der diesjährigen Spiele.

Kubb WM 2026 Rückblick auf Gotland: Robert Harnack von Team M-V und Julian von Team Kubbless
Mit Robert und Julian bei der WM 2024 auf Gotland. (Archivbild)

Beide Kapitäne berichteten übereinstimmend: Die Freitags-Qualifikation und die Samstags-Gruppenphase boten sportlich wenig Widerstand. Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an die vielen Teams von der Insel – die Breite des gotländischen Kubb ist das Fundament dieses Turniers. Es ist ein Strukturproblem: Ohne leistungsbasierte Setzung entstehen Paarungen ohne Fallhöhe, die beiden Seiten wenig geben. Dass in der Samstags-Gruppe von Team M-V zudem ein am Freitag qualifiziertes Team gar nicht erst antrat, passt in dieses Bild.

Echte sportliche Reibung entstand vielfach erst ab dem Sechzehntelfinale – etwa bei Svens 2:1 gegen Jamas pyjamas, ein Spiel, das die Rasensportfetischisten eigentlich hätten verlieren müssen und glücklich für sich entschieden.

Danach zeigte sich die zweite Schwäche des Modus: das ungesteuerte Losglück. Schon im Achtelfinale trafen mit Titelverteidiger Blue/Orange und dem US-Team Kubboomicide Squad zwei Mannschaften von Top-8-Format aufeinander – beide gehören weiter nach vorn. Im Schoch-Modus wäre genau das automatisch der Fall, bei den Auslosungen des Veranstalters bleibt es dem Zufall überlassen. Blue/Orange setzte sich durch, schied dann aber im Viertelfinale mit 0:2 gegen Team Kubbmeisters aus. Das gleiche Los traf die Rasensportfetischisten – auch sie eine Mannschaft von Top-8-Format: Achtelfinale gegen den späteren Weltmeister Stranded Goose. Dabei war mehr drin, als das 0:2 nach Sätzen vermuten lässt – im zweiten Satz führte das Team bereits mit 4:1 getroffenen Grundlinien-Kubbs und warf von der vorgezogenen Linie. Der Satzausgleich war nah.

Kubb WM 2026 Rückblick: Mit Sven Mampe und Theo Sturve bei Kubb Ahoi 2025
Mit Sven und Theo Sturve bei Kubb-Ahoi 2025 – Turniersieger. (Archivbild)

Team M-V hatte den freundlicheren Baum erwischt: Nach machbaren Aufgaben gegen Kubbalire und Diador folgte eine konzentrierte Leistung gegen Håie putta bra – und damit der Einzug ins Gatter. Im Halbfinale war gegen Team Kubbmeisters Schluss; Urban Helander machte an diesem Tag mit seinem Einwerfen und einer starken 8-Meter-Treffer-Quote den Unterschied. Im Spiel um Platz 3 traf das Team dann auf die guten Bekannten von No Regrets – eine Begegnung, aus der seit 2024 noch eine Rechnung offen war. Sie wurde beglichen: 2:1, und die Bronzemedaille geht nach Deutschland.

In unserer Vorschau hatten wir geschrieben, dass im 6er-Modus ein einzelner Einwerfer Spiele entscheiden kann. Das Turnier hat es doppelt bestätigt: Josef Björklund ist jetzt Weltmeister, und Urban Helanders Einwerfen hat Team M-V das Finale gekostet. Darauf kommen wir bei den Vorschlägen zurück.

Der Einzelwettbewerb

Der Einzelwettbewerb zählt nicht als offizieller WM-Titel. Das Feld bestand im Wesentlichen aus Schweden, dazu einige Deutsche und US-Amerikaner. Mit David Jüttke und Tim Patzer erreichten zwei deutsche Spieler die Top 16; im Achtelfinale war für beide Endstation – Jüttke scheiterte an Theo Sturve, Patzer am US-Amerikaner Daniel Corey. Mit Max Klages schied dort auch der dritte Nicht-Schwede neben Corey aus, die Top 8 bestanden damit aus sieben Schweden und einem Amerikaner. Sturve bezwang im Viertelfinale Joakim Ekelöf, ehe im Halbfinale gegen den späteren Sieger Schluss war.

Die Finalspiele im Einzel

Sieger: Martin Segerlund

Halbfinale
Martin Segerlund 2
Theo Sturve 0
Halbfinale
Daniel Corey 2
Jacob Nilsson 0
Finale
Martin Segerlund 3
Daniel Corey 0
Spiel um Platz 3
Jacob Nilsson 2
Theo Sturve 1

Drei Impulse aus Spielersicht

1. Das Einwerfen auf mehrere Schultern verteilen

Aktuell hat der einwerfende Spieler erheblichen Einfluss auf das Teamergebnis – die Halbfinals dieser WM waren dafür Anschauungsunterricht. Um diesen Aspekt taktisch vielschichtiger zu gestalten, bietet sich ein System an, das bei einigen Turnieren in Deutschland bereits praktiziert wird: Die einzuwerfenden Kubbs werden auf die Teammitglieder aufgeteilt. Bei 6 Kubbs wirft jeder Spieler exakt einen ein; sind 10 Kubbs im Spiel, werfen vier Spieler je zwei und zwei Spieler je einen. Das verteilt die Verantwortung und fördert die geschlossene Mannschaftsleistung.

Zwei ehrliche Anmerkungen gehören dazu. Verteiltes Einwerfen kostet Zeit: Gegenüber dem 3er-Turnier ist pro Partie mit rund einem Drittel mehr Spieldauer zu rechnen – das muss der Spielplan einpreisen. Und gelten soll die Regel weder in der Qualifikation noch für die heimischen Teams: Sie zielt auf die Finalrunden des Hauptturniers, nicht auf das gewachsene Spiel der Insel.

2. Neutrale Schiedsrichter im Gatter

Der Anlass ist konkret: In den Gatter-Spielen dieser WM gab es mehrere strittige Entscheidungen. Für die entscheidenden Runden wäre deshalb der Einsatz von Unparteiischen, die nicht aus den Ländern der spielenden Teams stammen, ein wichtiger professioneller Schritt. Der Fokus sollte dabei auf der Begleitung eines flüssigen Spiels liegen – nicht auf kleinteiliger Kontrolle der Fußpositionen an den Standlinien.

3. Drei Tage mit maximaler Spieldichte

Wer die weite Reise nach Gotland auf sich nimmt, wünscht sich vor allem eines: viele fordernde Spiele. Daran orientiert sich dieses Modell. Eine Vorbemerkung, ganz bewusst: Der Einzelwettbewerb entfällt darin und wird vollständig durch das 3er-Turnier ersetzt – mehr Spielzeit für alle statt eines Wettbewerbs, der ohnehin nicht als WM-Titel zählt.

Donnerstag – die sportliche Einstufung. Der erste Tag dient der Qualifikation für das 3er- und das 6er-Turnier. Die dort erspielten Punkte werden vollständig ins Hauptturnier übernommen – der Tag bekommt damit echten sportlichen Wert. Ob man das als Schoch-System mit Punktemitnahme organisiert oder gleich als McMahon-System – die im Go-Sport etablierte Variante, bei der die Teilnehmer mit unterschiedlichen Startpunkten beginnen –, ist am Ende eine Frage der Software; das Prinzip ist dasselbe. Wichtig dabei: Bis zu den Finalrunden trifft kein Team ein zweites Mal auf denselben Gegner – das stellt die Turniersoftware im Schoch-Modus sicher. Erst in den Finalrunden ist eine Wiederholungspaarung wieder möglich. Und niemand vergeudet mehr einen Tag mit Spielen ohne Fallhöhe: Wer gewinnt, trifft auf andere Sieger.

Freitag – das 3er-Turnier. Das Format übernimmt das System der 6er-Teams, angepasst an die kleinere Teamgröße. Die deutlich kürzeren Spielzeiten erlauben mehr Runden und eine höhere Taktrate. Die Finalrunde startet hier mit dem Achtelfinale.

Samstag – das 6er-Hauptturnier. Durch die mitgenommenen Punkte spielen die Teams von der ersten Runde an gegen Gleichstarke. Das bisherige Argument gegen das Schoch-System auf Gotland – 6er-Spiele dauern länger, es wären zu wenige Runden möglich – wird durch den Donnerstag entkräftet: Die zusätzlichen Runden sind dann bereits gespielt. So genügt am Samstag ein kompakter Block, ehe die Finalrunde direkt mit dem Viertelfinale beginnt.

Alle Platzierungen ausspielen. Nach dem Vorbild etablierter Turniere in Deutschland und Belgien sollten sämtliche Plätze sportlich ermittelt werden. Wer in der KO-Runde ausscheidet, bleibt im Turnier und spielt seine exakte Endplatzierung aus. Der Spielplan sollte dabei so getaktet sein, dass alle übrigen Spiele beendet sind, wenn die Gatter-Spiele beginnen – dann steht niemand mehr auf dem Feld, und das ganze Turnier schaut gemeinsam auf die Medaillenspiele. Ein separates Trostturnier wie die Lila-WM wird damit hinfällig. Wie unbefriedigend die heutige Lösung sein kann, haben wir selbst erlebt: In einem Jahr schieden wir im letzten Gruppenspiel aus – die Partie zog sich, und als sie beendet war, war die Meldefrist für die Lila-WM bereits verstrichen. Nicht einmal das Trostturnier blieb uns damit.

Zum Schluss

Stranded Goose ist ein verdienter Weltmeister. Und doch bleibt festzuhalten: Ab dem Viertelfinale stand mit Team M-V nur noch ein einziges nicht-schwedisches Team im Feld. Wie dicht eine Endrunde besetzt sein kann, hat die EM vier Wochen zuvor in Linz gezeigt: Dort standen drei deutsche, zwei tschechische, ein schwedisches, ein belgisches und ein schweizerisches Team im Viertelfinale – fünf Nationen, wo Gotland zwei bot. Genau hier setzen unsere Vorschläge an: Ein Modus, der die Reise lohnender macht, bringt diese internationale Dichte zurück nach Gotland. Davon hätten alle etwas – die Teams von der Insel, die Gäste und das Turnier selbst.

Denn eines gilt unabhängig vom Modus: Gotland bedeutet Liebe zum Kubb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Warenkorb

Vertrag widerrufen

Nach oben scrollen