Am Donnerstag fällt auf Gotland der erste Wurf der Kubb-WM 2026. 168 Teams sind gemeldet. Sieben davon kommen aus dem Ausland.

Diese beiden Zahlen erzählen die Geschichte dieses Turniers besser als jede Ergebnisliste – und ich komme am Ende dieses Textes darauf zurück, warum das so ist. Ich war sechsmal selbst dabei. In diesem Jahr schaue ich von Deutschland aus zu.
Auf einen Blick
- Turnier: 29. Kubb-Weltmeisterschaft (VM i Kubb)
- Ort: Gotland, Schweden
- Termin: Donnerstag, 30.07. bis Samstag, 01.08.2026
- Gemeldete Teams: 168, davon 7 aus dem Ausland
- Modus: 6er-Teams
- Titelverteidiger: Blue-Orange (Schweden)
- Deutsche Teams: Rasensportfetischisten, Team M-V (plus ein drittes, bislang unbekanntes Team)
Der Modus: drei Tage, aber nur ein Weltmeistertitel
Seit Einführung des Einzelwettbewerbs läuft die WM über drei Tage, von Donnerstag bis Samstag. Der Finaltag ist traditionell der erste Samstag im August – in diesem Jahr also der 1. August, gespielt wird ab dem 30. Juli.
Wer die Reise für kommende Jahre plant, kann sich an dieser Regel orientieren. Wichtig für alle, die das Turnier zum ersten Mal verfolgen: Der Einzelwettbewerb zählt nicht als Weltmeisterschaft. Der Titel wird ausschließlich im 6er-Turnier vergeben, und darauf konzentriert sich dieser Beitrag.
Freitag – die Vorrunde. Gespielt wird in 30 Gruppen zu je vier oder fünf Teams. Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich für den Finaltag. Die besten Teams des Vorjahres müssen diese Runde nicht spielen, sie sind automatisch für Samstag gesetzt.
Samstag – der Finaltag. 16 Vierergruppen, aus jeder ziehen wieder zwei Teams weiter. Danach geht es im K.-o.-System um den Titel.
Das Gatter. Wer die Halbfinals erreicht, spielt im Gatter – auf der Anlage mit Tribüne, vor in der Regel rund 200 Zuschauern. Für jedes ambitionierte Team ist das Gatter das eigentliche Ziel. Wer einmal dort gestanden hat, versteht, warum.
In den vergangenen beiden Jahren wurden die Gatter-Spiele auf YouTube live übertragen. Hier geht’s zum offiziellen Kanal.
Die Favoriten: Schweden unter sich
Blue-Orange verteidigt den Titel und geht als klarer Favorit ins Turnier. Mit Joakim Ekelöf und Theo Sturve stehen zwei der stärksten Spieler des Sports in einer Mannschaft.
Dahinter drängt sich eine schwedische Spitze:
- StrandedGoose mit Josef Björklund
- No Regrets um Markus Nilsson
- Champaign County mit Martin Segerlund
- Sinking Royal mit Simon Lindgren
- Team Kubbmeisters mit Urban Helander
- Auh-Laug-Eth mit Johan Lindberg
- Hellacopters mit Linnéa Funk – eine der weltbesten Kubb-Spielerinnen und Schwester von Weltmeister Kristofer Funk
Dass mehr als die Hälfte aller Teams direkt von Gotland kommt, ist kein Zufall. Wer im Juli über die Insel fährt, sieht in unzähligen Gärten ein Kubb-Spiel stehen. Kubb ist hier kein Nischensport, den man einmal im Jahr auspackt – es ist Teil des Sommers.
Die internationalen Teams
Sieben ausländische Mannschaften sind gemeldet, und alle sieben lohnen einen Blick.
Aus den USA kommen zwei Teams, die die Finalrunden erreichen sollten: Kubboomicide Squad um Trevor Bailey und Timber Squad um Patrick Klages.
Aus Deutschland sind drei Teams gemeldet, zwei davon mit ernsthaften Ambitionen.
Die Rasensportfetischisten um Sven Mampe traue ich das Gatter zu – vorausgesetzt, die Auslosung meint es gut mit ihnen. Mit an Bord ist unser Teamkollege Christoph Fuchs – was das Mitfiebern für mich deutlich intensiver macht.
Und Team M-V, das neue Projekt von Kubb’Ings und De Woodys um den viermaligen Weltmeister Robert Harnack. Deren voraussichtlicher Top-Einwerfer Nils Patzer könnte dem Team einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Das dritte deutsche Team ist in der Szene bislang unbekannt und wird in der Ergebnisrechnung keine Rolle spielen. Dass es antritt, ist trotzdem eine gute Nachricht – irgendwo fängt jede WM-Karriere an.
Ein Team, das man auf dem Papier leicht übersieht, ist das thailändisch-indonesische. Es reist nicht eigens aus Asien an – es handelt sich um Arbeitskräfte, die auf einer Farm auf Gotland arbeiten. Sie spielen stark genug, dass ich ihnen das Sechzehntelfinale durchaus zutraue.
Warum kommen so wenige internationale Teams?
Sieben ausländische Teams bei einer Weltmeisterschaft – das ist eine Zahl, über die man reden muss. Es gibt drei Gründe, und sie wiegen unterschiedlich schwer.
Der Aufwand. Nach Visby, der Hauptstadt Gotlands, gibt es nur wenige Direktflüge. Wer aus Mitteleuropa anreist, plant realistisch zwei Reisetage ein.
Das Format. Bei den meisten internationalen Turnieren wird in 3er-Teams gespielt. Das bedeutet zwei Würfe pro Spieler und rotierendes Einwerfen – schlicht mehr Kubb für jeden Einzelnen.
Im 6er-Team bleibt pro Spieler ein Wurf. Wer eine weite Anreise auf sich nimmt, will spielen, nicht danebenstehen.
Das Format verschiebt allerdings auch die Gewichte im Team. Ein herausragender Einwerfer wie Josef Björklund bekommt im 6er-Modus ein Gewicht, das er im 3er-Team so nicht hätte. Er kann Spiele im Alleingang entscheiden. Genau deshalb ist die Personalie Nils Patzer bei Team M-V so interessant.
Die Auslosung. Und hier liegt aus meiner Sicht der eigentliche Knackpunkt. Über mehrere Jahre hinweg kam es wiederholt vor, dass Teams aus demselben Land bereits im Sechzehntelfinale aufeinandertrafen. In einem Fall standen sich sogar drei Mannschaften aus einem Land in derselben Gruppe gegenüber.
Für Länder, die mit hohem Aufwand ein, zwei Teams nach Gotland bringen, ist das die denkbar frustrierendste Konstellation: Man reist quer durch Europa, um dann gegen die Nachbarn von zu Hause zu spielen.
Ob das Zufall war oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Der Eindruck aber blieb hängen, und er hat Vertrauen gekostet – bei den führenden Kubb-Nationen so viel, dass die kleineren Regelanpassungen der vergangenen fünf Jahre daran nichts mehr geändert haben.
Schweizer und belgische Teams, die früher regelmäßig dabei waren, treten heute nicht mehr an.
Das ist schade. Denn die WM auf Gotland ist und bleibt das Turnier, an dem sich alles misst.
Worauf ich am Samstag schaue
Blue-Orange wird schwer zu schlagen sein. Die eigentliche Frage lautet für mich, ob eines der deutschen oder amerikanischen Teams den Sprung ins Gatter schafft – und ob die Auslosung ihnen dabei einen fairen Weg lässt.
Meine deutschen Daumen gehören dabei ausschließlich den Teams von Robert und Sven. Bei aller Freude über jede weitere Meldung aus Deutschland: Diese beiden Mannschaften können in Gotland etwas erreichen, und mit Christoph steht jemand auf dem Platz, mit dem ich selbst im Team spiele.
Nach sechs eigenen Teilnahmen von zu Hause aus zuzuschauen, ist ein ungewohntes Gefühl. Am Samstag werde ich den Stream trotzdem nicht verpassen.
Wer nach dem Zuschauen selbst zum Wurfholz greifen will: Unsere Turniersets sind nach denselben Maßen gefertigt, die auch auf Gotland gespielt werden.
